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20. Oktober 2026

App-Barrierefreiheit: Anforderungen, typische Barrieren und erste Schritte

Ein Symbol ohne Beschriftung reicht aus, um einen Kauf zu blockieren. Was die Vorschriften verlangen, welche Barrieren am häufigsten auftreten und mit welchen sieben Maßnahmen Sie starten, um eine App barrierefrei zu machen.

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Ein Warenkorb-Symbol ohne Beschriftung reicht aus, um einen Kauf zu blockieren. Menschen, die einen Screenreader nutzen, hören nur „Schaltfläche“. Das Gleiche gilt für das Menü, die Suchlupe und die Zurück-Taste.

App-Barrierefreiheit bedeutet, jeden Bildschirm wahrnehmbar, bedienbar und verständlich zu machen, auch mit VoiceOver, TalkBack, externer Tastatur oder vergrößerter Systemschrift. In diesem Leitfaden finden Sie, was die Vorschriften verlangen. Sie erfahren, welche digitalen Barrieren in den Audits unserer Accessibility-Expert:innen am häufigsten auftreten, und lernen die sieben Maßnahmen mit dem besten Verhältnis von Wirkung und Aufwand kennen.

Was App-Barrierefreiheit bedeutet

Das italienische Gesetz 4/2004 (Legge Stanca) definiert Barrierefreiheit als die Fähigkeit von IT-Systemen, Dienste und Informationen bereitzustellen, die auch Menschen mit assistiven Technologien nutzen können. Die Last der Anpassung liegt damit beim System, nicht bei der Person.

Das Prinzip gilt für native iOS- und Android-Apps, Web-Apps und mobile Websites. Die Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) sind für das Web entstanden. Doch ihre Kriterien gelten auch für die Bildschirme nativer Apps. Die europäische Norm EN 301 549 deckt zusätzlich den Mobilbereich ab.

Die vier WCAG-Prinzipien zeigen sich auf dem Smartphone-Bildschirm so:

  • Ein Bildschirm ist wahrnehmbar, wenn er Alternativtexte, ausreichenden Kontrast und skalierbaren Text hat.

  • Er ist bedienbar, wenn jede Geste eine Alternative hat und die Touch-Flächen groß genug sind.

  • Er ist verständlich, wenn Fehlermeldungen klar sind.

  • Er ist robust, wenn Name, Rolle und Status jedes Bedienelements bei den assistiven Technologien ankommen.

Wer eine App anders nutzt, als Sie sie gestaltet haben

Menschen mit Sehbehinderung nutzen VoiceOver unter iOS oder TalkBack unter Android und hören den Bildschirm, statt ihn zu sehen. Menschen, die mit einer motorischen Behinderung leben, verwenden eine externe Tastatur, einen Switch oder Sprachbefehle. Menschen mit geringem Sehvermögen vergrößern die Systemschrift und erwarten, dass die App sie übernimmt.

Dieselben Lösungen helfen auch in vorübergehenden Situationen: Sonnenlicht auf dem Display, eine besetzte Hand, ein Arm im Gips. Was eine Gruppe von Menschen täglich braucht, brauchen viele gelegentlich.

Wann App-Barrierefreiheit Pflicht ist

Für öffentliche Verwaltungen besteht die Pflicht seit Langem: Die Richtlinie (EU) 2016/2102 verlangt barrierefreie Websites und Apps des öffentlichen Sektors. In Deutschland setzen das Behindertengleichstellungsgesetz (BGG) und die BITV 2.0 diese Vorgabe für die Bundesverwaltung um. In Österreich gilt für den öffentlichen Sektor das Web-Zugänglichkeits-Gesetz (WZG).

Seit dem 28. Juni 2025 gilt das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG), das den Europäischen Rechtsakt zur Barrierefreiheit umsetzt. Es verpflichtet Anbieter von Produkten und Dienstleistungen für Verbraucher:innen, auch von Apps. Erfasst sind Onlinehandel, Bankdienstleistungen und Personenverkehrsdienste, auch wenn sie über eine App laufen. Kleinstunternehmen, die Dienstleistungen anbieten, sind ausgenommen. In Österreich setzt das Barrierefreiheitsgesetz (BaFG) die Richtlinie für den Privatsektor um.

Die technische Referenz ist die Norm EN 301 549, die auf die WCAG der Stufe AA verweist. Öffentliche Stellen veröffentlichen zusätzlich eine Erklärung zur Barrierefreiheit mit einem Feedback-Mechanismus. Die Marktüberwachung nach dem BFSG übernimmt die Marktüberwachungsstelle der Länder für die Barrierefreiheit (MLBF).

Wer rechtzeitig handelt, hat mehr Spielraum. Die Korrekturen fließen in den normalen Veröffentlichungszyklus ein, ohne dass Sie hinterherlaufen müssen.

Die typischen Barrieren in Apps

Die Audits unserer Accessibility-Expert:innen zeigen wiederkehrende Muster. Es sind vier Gruppen digitaler Barrieren, und jede lässt sich eindeutig WCAG-Kriterien zuordnen.

Bedienelemente ohne Name, Rolle oder Status

Symbole, nur grafische Schaltflächen und eigene Komponenten stellen assistiven Technologien Name, Rolle oder Status häufig nicht bereit (Kriterium 4.1.2). Der Screenreader sagt nur „Schaltfläche“ oder kündigt nicht an, ob ein Schalter aktiv ist. Das Bedienelement wird unbenutzbar.

Dasselbe gilt für Bilder. Informative Bilder ohne Textalternative lassen Informationen verloren gehen. Dekorative Bilder, die nicht ausgeblendet sind, stören beim Vorlesen (Kriterium 1.1.1).

Unklare Struktur und unverständliche Felder

Titel ohne Überschriftenmarkierung, Feldbeschriftungen ohne Zuordnung zum Feld, nicht deklarierte Listen und Gruppen: All das fällt unter Kriterium 1.3.1. Ohne Überschriften lässt sich nicht nach Überschriften navigieren. Ohne zugeordnete Beschriftungen wissen Menschen, die einen Screenreader nutzen, bei Registrierung, Anmeldung, Bezahlvorgang nicht, was sie ausfüllen sollen.

Tastatur, Gesten und Fokusreihenfolge

Funktionen, die komplexe Gesten oder Wischbewegungen erfordern (Kriterium 2.1.1), blockieren Menschen, die eine externe Tastatur oder einen Switch nutzen. Auch die Fokusreihenfolge zählt (Kriterium 2.4.3): Ist sie unlogisch oder wird der Fokus bei Dialogfenstern und Bildschirmwechseln nicht gesteuert, werden Inhalte übersprungen oder außerhalb ihres Kontexts erreicht.

Gesperrte Ausrichtung und Text, der nicht mitwächst

Eine App, die auf Hoch- oder Querformat festgelegt ist (Kriterium 1.3.4), ist für Menschen unbenutzbar, die ihr Gerät in nur einer Position fixieren, zum Beispiel auf einer Halterung. Text, der nicht mitwächst oder bei vergrößerter Systemschrift abgeschnitten wird (Kriterium 1.4.4), schließt Menschen mit geringem Sehvermögen aus. Die Ursache sind meist feste Höhen in den Containern.

Sieben Maßnahmen, mit denen Sie die App-Barrierefreiheit sofort verbessern

Eine komplette Neuentwicklung der App ist nicht nötig. Wenige gezielte Maßnahmen bringen viel, und wir haben die sieben besten nach dem Verhältnis von Wirkung und Aufwand geordnet.

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Maßnahme

Wirkung

WCAG-Kriterien

1

Zugängliche Beschriftungen für Symbole und nur grafische Schaltflächen (zurück, schließen, Warenkorb, Menü, Favoriten)

Sehr hoch

4.1.2, 1.1.1

2

Dekorative Bilder für den Screenreader ausblenden, Textalternativen nur für die wenigen informativen Bilder

Hoch

1.1.1

3

Bildschirm- und Abschnittstitel als Überschriften auszeichnen

Hoch

1.3.1

4

Immer sichtbare, dem Feld zugeordnete Feldbeschriftungen statt nur Platzhalter

Hoch bei Registrierung, Anmeldung, Bezahlvorgang

1.3.1, 3.3.2

5

Klare Fehlermeldungen, vom Screenreader angekündigt

Hoch bei Formularen

3.3.1, 4.1.3

6

Touch-Flächen von mindestens 24×24 px (besser 44×44), mit Innenabstand oder Trefferfläche, ohne das Layout zu ändern

Mittel bis hoch

2.5.8

7

Unterstützung für vergrößerten Text: feste Höhen und Abschneidungen in den Haupt-Containern entfernen

Hoch bei geringem Sehvermögen

1.4.4

So testen Sie die Barrierefreiheit einer App

Automatische Werkzeuge finden die Probleme, die sich am einfachsten erkennen lassen. Ob Menschen die App nutzen können, zeigen erst drei Prüfebenen.

Die erste Ebene ist der manuelle Test.

Aktivieren Sie VoiceOver oder TalkBack und durchlaufen Sie einen kompletten Ablauf, zum Beispiel Anmeldung, Suche, Kauf. Verbinden Sie dann eine Bluetooth-Tastatur und navigieren Sie mit Tab und Eingabetaste, vergrößern Sie die Systemschrift und drehen Sie das Gerät.

Die zweite Ebene sind Werkzeuge.

Unter Android gibt es den Accessibility Scanner, unter iOS den Accessibility Inspector in Xcode, und Android bietet auch automatische Tests für Oberflächen in Compose. Sie melden Kontraste, Touch-Flächen, fehlende Beschriftungen. Ob eine Beschriftung für die zuhörende Person Sinn ergibt, sagen sie nicht.

Die dritte Ebene ist der Test mit Menschen mit Behinderungen.

Eine App kann barrierefrei sein und sich trotzdem schlecht nutzen lassen. Nur wer sie täglich mit assistiven Technologien nutzt, kann beurteilen, ob ein Ablauf wirksam und zufriedenstellend ist.

Wie wir Sie bei einer App unterstützen

Ein Barrierefreiheits-Audit von Accessiway für eine App folgt den WCAG 2.2 der Stufe AA und der Norm EN 301 549. Es entsteht mit Beiträgen von Menschen, die täglich assistive Technologien nutzen. Das Ergebnis ist eine nach Wirkung geordnete Liste digitaler Barrieren, mit Korrekturhinweisen für Entwickler:innen.

Von dort aus geht die Arbeit mit jeder neuen App-Version weiter: Konformität muss langfristig gehalten werden.

Erfahren Sie mehr mit einem Audit von Accessiway: Ein Gespräch von 15 Minuten reicht, um zu klären, wo Sie mit Ihrer App beginnen.

Häufige Fragen zur App-Barrierefreiheit

Was bedeutet App-Barrierefreiheit?

App-Barrierefreiheit ist die Fähigkeit einer App, wahrgenommen, bedient und verstanden zu werden, auch mit assistiven Technologien wie VoiceOver und TalkBack, mit externer Tastatur oder vergrößertem Text. Die App passt sich der Person an.

Gelten die WCAG auch für Apps?

Ja, die Kriterien der WCAG gelten auch für die Bildschirme nativer Apps. Die europäische Norm EN 301 549 deckt mobile Software ab und nutzt für Inhalte die WCAG der Stufe AA als Referenz.

Wann ist Barrierefreiheit für eine App Pflicht?

Für öffentliche Verwaltungen besteht die Pflicht seit Langem. Seit dem 28. Juni 2025 gilt in Deutschland das BFSG für Dienstleistungen und Apps für Verbraucher:innen, ausgenommen Kleinstunternehmen mit Dienstleistungen.

Wie lässt sich die Barrierefreiheit einer App prüfen?

Drei Bausteine kommen zusammen: manuelle Tests mit VoiceOver oder TalkBack, externer Tastatur und vergrößertem Text, Werkzeuge wie Accessibility Scanner oder Accessibility Inspector sowie Tests mit Menschen mit Behinderungen.

Mit welchen Maßnahmen sollten Sie beginnen?

Mit zugänglichen Beschriftungen für Symbole und nur grafische Schaltflächen, dann mit Bildschirmtiteln, immer sichtbaren Feldbeschriftungen und angekündigten Fehlermeldungen. Der Zeitaufwand ist gering, die Wirkung hoch.

Inhalt, der mit Unterstützung künstlicher Intelligenz erstellt und einer menschlichen Überwachung und Überprüfung unterzogen wurde

Redaktion

Eine barrierefreie Website stellt sicher, dass alle Menschen einschließlich derer mit Einschränkungen digitale Inhalte ohne fremde Hilfe wahrnehmen, bedienen und verstehen können. Durch die Umsetzung der WCAG-Richtlinien lassen sich Angebote problemlos per Tastatur oder Screenreader navigieren und bieten zudem gut lesbare Kontraste sowie passende Textalternativen.

Digitale Barrierefreiheit

Redaktion

Gilt das BFSG für Ihren Online-Shop? Der Leitfaden zeigt, wer betroffen ist, was im Kaufprozess zählt, welche Informationen Pflicht sind und welche Strafen drohen.

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Legen Sie fest, welche Abschnitte von EN 301 549 für Ihr Produkt gelten, testen Sie nach WCAG 2.2 und sichern Sie die Nachweise für v4.1.1.

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